Projektbericht Servicepunkte Nachbarschaftshilfe

Autorin Daniela Santema, Seniorenbüro Hamburg e. V.

Seit Herbst 2018 nimmt das Seniorenbüro Hamburg e. V. an dem Modellprojekt „Bürgerschaftlich engagierte Einzelhelfer“ teil. Das Projekt wird vom Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA) im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit durchgeführt. Ziel ist die Unterstützung und Stärkung der häuslichen Versorgung von Menschen mit Pflegegrad durch Einzelhelferinnen und Einzelhelfer aus dem nachbarschaftlichen und sozialem Umfeld. Diese sollen professionelle Versorgungsstrukturen ergänzen, damit Menschen möglichst lange und selbstbestimmt in ihrem vertrauten Wohnumfeld leben können. Damit dies gelingt, sind die teilnehmenden Organisationen beauftragt sog. „Servicepunkte“ aufzubauen, deren Aufgabe in der Begleitung und Vermittlung von EinzelhelferInnen und Hilfesuchenden besteht. Damit verknüpft ist die Idee, Barrieren im nachbarschaftlichen Hilfekontext abzubauen und Menschen in den jeweiligen Stadtteilen miteinander zu vernetzen.

Was versteht man unter EinzelhelferInnen?
Mit der Bezeichnung EinzelhelferInnen sind Menschen gemeint, die sich nach jeweiligem Landesrecht anerkennen lassen können, um sich in ihrer Nachbarschaft bürgerschaftlich für Menschen mit einem Hilfe- und Unterstützungsbedarf zu engagieren. In Hamburg ist dafür die Servicestelle Nachbarschaftshilfe zuständig. Die Registrierung ermöglicht es Personen mit Pflegegrad, der Einzelhelferin/dem Einzelhelfer eine Aufwandsentschädigung von bis zu 5 € pro Stunde aus Leistungen der Pflegeversicherung (Entlastungsbetrag nach § 45b SGB XI) auszuzahlen, damit evtl. anfallende Kosten (z.B. für Fahrten im öffentlichen Nahverkehr) ausgeglichen werden können. Ohne eine Registrierung ist dies nicht möglich. Darüber hinaus sichert die Registrierung die EinzelhelferInnen bei Schadensfällen und Unfällen im Rahmen der Nachbarschaftshilfe ab.

Was  bedeutet in diesem Kontext Nachbarschaftshilfe? „Nachbarschaftshilfe durch EinzelhelferInnen umfasst Tätigkeiten, die mit der Strukturierung, Aktivierung, Stärkung, Versorgung und Begleitung von Menschen mit einem Hilfe- und Unterstützungsbedarf zusammenhängen (…). Hierzu gehören beispielsweise: Unterstützung bei der Aufrechterhaltung sozialer Kontakte, Gedächtnistraining, Entspannungsübungen, Unterhaltung und Gespräche, auf die Interessen der Person ausgerichtete Tätigkeiten (z.B. Fotografieren, Musizieren, Kochen, Lesen), Spaziergänge, gemeinsames Einkaufen, Begleitung bei Arztbesuchen, leichte Bewegung oder Sport bzw. Gymnastik und Begleitung zu Veranstaltungen und Ausflügen.“(1) Pflegerische Tätigkeiten sind von der Nachbarschaftshilfe ausgenommen.

Zusammenarbeit von Seniorenbüro Hamburg e. V. und seniorTrainerInnen Hamburg
Das Projekt wird von seniorTrainerInnen Hamburg (mit sieben SeniortrainerInnen) und dem Seniorenbüro gemeinsam durchgeführt. Im Treffpunkt Großlohe sowie im Seniorentreff Dulsberg wurden jeweils Servicepunkte installiert, die seit Mai offiziell mit ihrem Angebot gestartet sind. Bis es soweit war, war einiges an Vorbereitung nötig, da die Ausgestaltung der Servicepunkte bis auf wenige Eckpunkte den teilnehmenden Organisationen freisteht und es wenig bis kaum Vorgaben seitens des KDA gibt. Vorarbeiten der Projektgruppe waren deshalb u.a.: Die Erstellung eines Flyers, Ausarbeitung von Fragebögen und eines Gesprächsleitfadens für die Beratung, Schaffung einer Infrastruktur für die Beratungstätigkeit, Öffentlichkeitsarbeit sowie Vernetzungsarbeit im Stadtteil und mit wichtigen Partnern in ganz Hamburg. Insbesondere die beiden letzten Punkte werden fortlaufende Aufgaben der Servicepunkt-Teams sein, wenn das Angebot an Bekanntheit gewinnen soll. 

Ausblick
Das Modellprojekt läuft bis Ende 2019. Im Anschluss erfolgt eine Auswertung und die Frage wird sich stellen, ob und wie die Servicepunkte weitergeführt werden. Das KDA hat beim Bundesministerium für Gesundheit eine Verlängerung des Projektzeitraum bis Sommer 2020 beantragt, die zuständige Hamburger Behörde (BGV) hat ihre grundsätzliche Unterstützung signalisiert. Bis dahin wird sich zeigen, ob und wie das Angebot von den Zielgruppen angenommen werden wird.

Quellen:
(1) https://einzelhelfer.de/
https://www.nachbarschaftshilfe-hh.de/

Weitere Infos:

http://www.seniorenbuero-hamburg.de

Flyer des Projektes