Altersbewusstsein weitertragen!

Ein Gespräch anlässlich des 15-jährigen Jubiläums der seniorTrainerin (sT) Hamburg mit Uli Kluge, Leiter des Seniorenbüros (SB), der schon lange die Geschicke unserer Gruppe begleitet.
Die Fragen stellten Tomislav Perisic und Wolfgang Mohrmann.

Zehn Jahre nach Gründung des Seniorenbüros durch 15 gemeinnützige Einrichtungen war doch schon ein breites Spektrum für ehrenamtliches Engagement abgedeckt. Warum brauchte man sT?  

Uli Kluge: Die Intention kam damals als Modellprogramm vom Bundefamilienministerium, welches Engagement und Selbstbestimmung von Senioren im Ruhestand fördern wollte. Die sT sollten für Erfahrungen und Kompetenz stehen. Das war ein hartes Ringen mit dem Ministerium und keineswegs selbstverständlich. Erst 2002 konnten wir uns bewerben und es flossen Fördermittel.

Lag der Schwerpunkt der Arbeit in der „Frühphase“ des Seniorenbüros auf Engagement und  Selbstbestimmung für einzelne Personen ?

Uli Kluge: Das war die Aufgabe des SB. In Hamburg hat man zur Gründung des Vereins damals eine sehr kluge Entscheidung getroffen. Man wollte nicht die Förderung einer Einrichtung in einem Stadtteil, sondern man wollte einen Zusammenschluss aller Beteiligten. Daher der Zusammenschluss von 15 Einrichtungen, die künftig  zentral die Mittel für ihre Projekte erhielten.      Die Zuwendungen für Projekte lagen damals bei rd. DM 120.000,00 p.a.. Wir waren Verteilerstelle“. So sind damals z.B. Freiwilligenforen und viele Besuchsdienstprojekte entstanden.

Wie musste man sich die Aufbauarbeit damals vorstellen?

Uli Kluge: Wir haben damals die gewünschte selbstorganisierte Qualifizierung und Fortbildung von Senioren in verschiedenen Projekten finanziert.  ( z.B. Besuchsdienste in Bergedorf o.ä.)

Das entsprach noch nicht dem klassischen Profil der sT.

Uli Kluge: Sicherlich. Es galt für Seniorenbüros nicht nur Engagement zu fördern. Auch das Altersbild hat sich verändert. Es ging nicht nur um Projekte für Senioren, sondern auch um Personen, die ein aktives Altersbild verkörpern.

Das war dann die Geburtsstunde der seniorTrainer.

Uli Kluge: Ja, da wurde auf Bundesebene in einer Enquete Kommission auf wissenschaftlicher Basis überlegt, wie so etwas aussehen könnte.

Daraus ist dann auch der sehr erklärungsbedürftige Name entstanden?

Uli Kluge: Das ist eine gute Frage, die ich gar nicht so klar beantworten kann. Es gab seinerzeit eine sehr engagierte Frau im Ministerium, die wohl auch auf die Bezeichnung seniorTrainer Einfluss hatte.

Plakat 2003

Plakat 2003

Was sind wir eigentlich rechtlich für eine Organisation?

Uli Kluge: Man hat zu Beginn bundesweit die sT als „Anhängsel“ der Freiwilligen-Agenturen und Seniorenbüros gesehen, nicht als eigenständige Organisation. Die Agenturen konnten dabei den Aufbau mit ihren knappen Mitteln nur begleiten. Daher ist das Konzept auch nicht überall erfolgreich umgesetzt worden.
Auch das SB als rein vermittelnde Einrichtung konnte hier nur begrenzt unterstützen. Die sT sind daher früh eine Gruppe geworden, die sich selbst mit eigener Finanzverwaltung und mit rollierendem Vorstand ( OT) organisiert.

Woher kamen die Teilnehmer der ersten Kurse?

Uli Kluge: Das begann erst so richtig mit dem dritten oder vierten Kurs. Unsere Aufgabe war es, pro Jahr 20 Interessierte für eine sT Ausbildung zu gewinnen. Die Teilnehmer kamen über das Freiwilligenzentrum und über das SB. Mit dem Kurs 4 wurden bereits sT an der Auswahl der neuen Teilnehmer beteiligt. Frau Siemers, Frau Kron oder auch Herr Becker gehörten zu den sT der ersten Stunden, um nur einige zu nennen.

Lag der Fokus damals auch schon auf Projektarbeit?

Uli Kluge: Die Arbeit war damals deutlich akademischer. Es ging viel um die Definition der Aufgaben. Bei Fragen dazu, was sT eigentlich tun sollen, kamen dann Projektbeispiele hinzu Es gab zu Beginn nur wenig eigene Projekte.

Seid ihr überrascht gewesen, was daraus geworden ist?

Uli Kluge: Ich bin nicht überrascht gewesen, weil wir Erfahrungen aus anderen Projekten wie z.B. die Zeitzeugen hatten. Zudem hatte ich aus meinem Praktikum während des Studium Erfahrungen mit selbstorganisierten Gruppen. Da konnte ich mir schon gut vorstellen, wohin es gehen kann.

Welche Ziele verfolgte man seinerzeit?

Uli Kluge: Wie heute ging es um Initiieren von Projekten, Beraten, Vernetzen und Öffentlichkeitsarbeit. Die Projektanfragen kamen zunächst nicht in der Zahl, wie erwartet. Die Alternative bestand darin, eigene Projekte aufzubauen. Netzwerken war übrigens Geduld fordernde Arbeit. Bis sT in Fachkreisen oder im AKTIVOLI Netzwerk vertreten waren, hat es eine gewisse Zeit gedauert.

Mind Map zur Verantwortungsrolle

Mind Map zur Verantwortungsrolle


Konnte man damals Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit herstellen?

Uli Kluge: Das war immer schwer. Das lag daran, dass wir zu theoretisch unterwegs waren. Es gelang immer, wenn wir praktische konkrete Beispiele hatten, wie z.B. die Organisation eines Mittagstisches. Es lag auch an der jeweiligen Stärke der Persönlichkeiten.

Was hat sich in 15 Jahren verändert?

Uli Kluge: Die Menschen haben sich verändert. Das liegt daran, dass die Menschen von ihrer beruflichen Umwelt unterschiedlich geprägt wurden. Es ist ein Unterschied, ob jemand in den 60er und 70er Jahren oder in den 80er und 90er Jahren tätig gewesen ist. Die Arbeitsplätze und das Zusammenarbeiten in der Arbeitswelt haben sich gewandelt. Davon ist jede Generation geprägt. Die Verlässlich- und Verbindlichkeit der Einzelnen hat sich nicht verändert.

Ich meine, dass es erstmalig in Kurs drei einen festeren Zusammenhalt und weniger Absprünge gegeben hat.

Die Problematik, seniorTrainer zu gewinnen ist geblieben ?

Uli Kluge: Ja, aber es gelingt heute deutlich besser, neue Kursteilnehmer mit der vorhandenen Gruppe der sT zusammen zu bringen. Die Generation der neuen sT ist sehr selbstbewusst. Sie bringen hohe Kompetenzen ein.

Welche Erfolge der letzten Jahre fallen Ihnen besonders auf ?

Uli Kluge: Ich bin beeindruckt davon, wie präsent sT in den Netzwerken bürgerschaftlichen Engagements sind, wie z.B im  AKTIVOLI Landesverband oder anderen Organisationen. Die aktive Mitarbeit und die eingebrachte Expertise sind ein großer Erfolg.

sT sind also Netzwerker.

Uli Kluge:  Ja, in jedem Fall. Das ist genau das, was ursprünglich gewünscht war. Senioren übernehmen eine aktive verantwortungsvolle Aufgabe in der  Gesellschaft. Das ist das Herz des Projekts. Es ist toll zu sehen, wie sT sich in Fachkreisen einbringen, eine Moderation übernehmen und insgesamt eine aktive Rolle in der Gesellschaft einnehmen. Eine Generation, die nicht nur als Empfänger von Leistungen gesehen werden will. Ich finde es positiv, seit 15 Jahren ein Projekt wie die Spee Akademie ehrenamtlich mit hohem Aufwand professionell ins Leben gerufen wurde und bis heute läuft.
Überhaupt bewundere ich das Interesse an ehrenamtlichem Engagement. Letztlich haben wir jedes Jahr sT Kurse zustande gebracht.

Hamburg ist ja eine Hochburg des ehrenamtlichen Engagements mit zahlreichen Stiftungen. Der demografische Wandel verspricht zudem eine steigende Zahl von Ruheständlern. Wie sehen Sie die Zukunft der sT?

Uli Kluge: Da bin ich sehr optimistisch. Wir hatten zwar einen kleinen Rückgang in den letzten beiden Jahren, bedingt durch den Fokus auf die Flüchtlingsarbeit und die gute Lage am Arbeitsmarkt. Im Übrigen sehe ich die sT gut aufgestellt.
Auch Ihre Öffentlichkeitsarbeit mit dem Newsletter stärkt die Organisation in- und extern. Auch wenn ich an die Entwicklung der Homepage denke hat sich die Darstellung doch deutlich weiterentwickelt.

Haben Sie einen persönlichen Wunsch oder ein Ziel, was Sie mit den sT erreichen wollen?

Uli Kluge: Abgesehen von schönen neuen Projekten wünsche ich mir dass sT ihr Altersbewusstsein weiter tragen, weiterhin gut zusammen arbeiten und Ihren Beitrag in den Gremien leisten.

Herzlichen Dank für das Gespräch !